neue Gesellschaft
für bildende Kunst

Ausstellung

Ausstellung: initiative urbane kulturen / KREISE ZIEHEN - Teil 1

Großsiedlungen und die Produktion von Bildern ihrer selbst - Teil 1
Sonntag, 06. Mai 2018 — Samstag, 23. Juni 2018

initiative urbane kulturen / KREISE ZIEHEN - Teil 1

Adresse: station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin (Eingang Kastanienboulevard, neben Lebenshilfe e.V.)
Geöffnet:Do-Sa 15-19 Uhr
Sprache(n): Deutsch, Englisch
Eintritt: frei
Veranstalter_in: neue Gesellschaft für bildende Kunst
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initiative urbane kulturen / KREISE ZIEHEN - Teil 1

Die bildenden Künste sowie die künstlerisch informierte Stadtforschung bewegen sich im Feld der ‚urban cultures’ verstärkt aufeinander zu. Kunst und Kultur sowie Urbanität und gebauter Raum müssen erkundet, erlebt und erzählt werden.
Ein Feld der Auseinandersetzung der letzten Jahre sind Großsiedlungen der heroischen Phase von 1960 bis 1990. Sie haben Dimensionen, die für sich stehend einer Kleinstadt entsprechen – doch zentrale Funktionen einer Stadt wie etwa die Künste und das Kulturleben werden vorrangig auf das Zentrum projiziert. Großsiedlungen bleiben deswegen vielen Menschen einer Stadt merkwürdig fremd.

Es braucht neue Narrative und Bilder, um die scheinbare Homogenität von Großsiedlungen aufzubrechen und ihre bestechende Widersprüchlichkeit nachzuzeichnen.

Großsiedlungen sind miteinander vergleichbar - auch über Kontinente hinweg. Oft sind sie in konzentrischen Kreisen um die Kernstadt herum organisiert. Doch selbst innerhalb einer Stadt haben die Großsiedlungen kaum Kontakt miteinander.
Das Ausstellungsprojekt‚ KREISE ZIEHEN im Stadtteil Berlin-Hellersdorf schlägt Brücken innerhalb und auch jenseits der Stadtgrenzen mit Partnersiedlungen und Partnerstädten: Wie entstehen Stereotypen von Orten, wie werden sie von außen gesetzt und von innen angenommen und weitergeführt? Wie operieren Bildstrategien in der Peripherie, die nicht von außen ein ›Image‹ überstülpen, sondern  von den Bewohner_innen mit Eigensinn erarbeitet wurden? Der Kunst soll hier eine besondere Bedeutung zukommen, da sie über Strategien der Bildererzählung und des Bildwissens verfügt.

Teil 1

»Zeitkapsel Hasenbergl« von Pia Lanzinger

»Aspectomat Hellersdorf« von Barbara und Thomas Klage

Im ersten Teil der Ausstellung werden eine Dokumentation des langjähriges Projekts „Zeitkapsel Hasenbergl“ der Künstlerin Pia Lanzinger und Fotografien der Hellersdorfer Anwohner_innen Barbara & Thomas Klage gezeigt.

Während ihrer Recherchen zur Geschichte der Großsiedlung Hasenbergl am Stadtrand von München fand Pia Lanzinger heraus, dass der Grundstein der Siedlung samt Zeitkapsel bei Umbauten zerstört wurde. Diesen ›Mangel‹ begreift das Projekt »Zeitkapsel Hasenbergl« als Chance. Die zum Zeitpunkt der Gründung angedachten Zukunftsvisionen haben sich nicht erfüllt. Der Hasenbergl hat sich eigensinnig entwickelt. Das Selbstbild wurde im Jahr 2017 durch eine Wiederholung der Grundsteinlegung festgehalten. 70 Bewohner_innen steuerten ein bestimmtes Ereignis aus ihrer selbst erlebten Geschichte am Hasenbergl als Videoclip für die neue Zeitkapsel bei. So entsteht – mit breiter Beteiligung – eine alternative Darstellung des Lebens in dieser Großsiedlung am Stadtrand Münchens.

Barbara und Thomas Klage zogen 1988 als Erstbewohner_innen nach Hellersdorf. Ihr umfangreiches Fotoarchiv wird nun für die Ausstellung digitalisiert. Außerhalb des privaten Rahmens eines Familienalbums wird eine Auswahl der erzählten Geschichten und Alltagsdokumente öffentlich präsentiert. Stadt ist hier nicht nur der gebaute Raum, sondern immer auch ein Ort für gelebte Praxis, die Wünsche und Imaginationen der Menschen selbst. Wie war die „Gummistiefelzeit“ in Hellersdorf, als die Erstbewohner_innen ihre neue Siedlung in Besitz nahmen? Welche Veränderung und Verschiebungen von Wertesystemen haben Anwohner_innen erlebt, und wie haben sie diese dokumentiert?


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