neue Gesellschaft
für bildende Kunst

nGbK-Vermittlungsstipendium 2022, Jelena Fužinato

 Videostill © Jelena Fužinato

Zwei Hauptthemen stehen für Jelena Fužinato im Rahmen des Vermittlungsstipendiums 2022 im Zentrum: Infrastruktur und Care-Arbeit. In der Workshopreihe werden mit verschiedenen Berufstätigen aus diesen Bereichen neue Vermittlungsformate entwickelt. Die Idee der ko-kreativen Vermittlungsform, in der die Mitwirkenden die Ziele bestimmen und die Form selbst gestalten, ist dabei der Leitfaden für die Entscheidungsprozesse bei der Zusammenarbeit mit den Gruppen. Eine wichtige Frage ist daher: Wie verhält sich die Kunst-, Kultur- und Vermittlungsarbeit zu den Personen, die am Prozess beteiligt sind?

Um über die Infrastruktur der Stadt zu sprechen, wendet sich die Stipendiatin an die 'unsichtbare Arbeitskraft': 50.000 Bauarbeiter_innen aus dem Westbalkan arbeiten auf deutschen Baustellen. Darunter eine große Anzahl von illegalen und nicht-dokumentierten Migrant_innen. Sie sind eingeladen an beweglichen Strukturen (Tools) zu arbeiten, in denen sie ihr Wissen im Bauwesen einbringen können, ebenso wie die Erfahrungen der Menschen, ohne dessen Arbeit es den Finanzkapital- und den Immobilienmarkt in der Stadt nicht gäbe. Diese Objekte sollen dann im öffentlichen Raum stehen, um von allen Teilnehmer_innen im weiteren Vermittlungsprozess genutzt werden zu können. 'Care' ist Grundlage vieler Konzeptionen in der aktuellen Kunstpraxis, daher gehören der zweiten eingeladenen Gruppe Pfleger_innen an. Auch sie sind zum Arbeiten aus dem Ausland nach Deutschland eingewandert. Als Expert_innen für Care-Arbeit können sie aufzeigen, was dieses Thema aus ihrer eigenen, meist prekären, Perspektive bedeutet.

Jelena Fužinato ist freischaffende Künstlerin und Kunstvermittlerin. Sie arbeitet in den Medien Zeichnung und Installation, um autoritäre Beziehungen innerhalb von Institutionen wie Familie, Schule, Museum und Staat zu untersuchen. Sie studierte Malerei an der Akademie der Künste in Banja Luka (Bosnien und Herzegowina) und absolvierte ihren Master in Malerei an der Universität der Künste Belgrad (Serbien); sie hat an der Aalto University Helsinki, (Finnland) Curating, Managing and Mediating Art studiert und schloss 2015 das postgraduale Studium an der Universität der Künste am Institut für Kunst im Kontext ab. Ihr Fokus liegt auf künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen und künstlerische Arbeit in kulturellen Institutionen. Es folgte 2017/18 eine Qualifizierung mit Schwerpunkt auf diskriminierungskritische Bildungsarbeit an der KontextSchule. Sie arbeitete als Kunstvermittlerin und Gastdozentin in und außerhalb unterschiedliche Kunst-, Kultur und Bildungsinstitutionen.

Das Vermittlungsstipendium wird von der nGbK seit 2010 jährlich ausgeschrieben. Die Ausschreibung richtet sich an Einzelpersonen oder Teams von maximal zwei Personen, die im Bereich der Kunst- und Kulturvermittlung sowie in der Bildungsarbeit tätig sind und die experimentelle und prozesshafte Verfahren und Formate der künstlerischen Vermittlung umsetzen möchten. Die institutionelle Anbindung an die nGbK bietet den Stipendiat_innen die Möglichkeit, ein Vermittlungsformat umzusetzen, in dessen Rahmen die eigene Praxis erprobt, variiert oder ggf. neu ausgerichtet werden kann.