neue Gesellschaft
für bildende Kunst

10Freitag, 10 Juni 2022Freitag, 10. Juni 2022
Eröffnung: Opening: der Ausstellung
11Samstag, 11 Juni 2022Samstag, 11. Juni 2022
Tour: Tour: The Money Tree (Berlin)
18Samstag, 18 Juni 2022Samstag, 18. Juni 2022
Tour: Tour: Taube Erde (Erzgebirge)
25Samstag, 25 Juni 2022Samstag, 25. Juni 2022
Tour: Tour: Am Ende Landschaft (Lausitz)
2Samstag, 02 Juli 2022Samstag, 02. Juli 2022, 14:00 Uhr
Panel: Panel: Forum "POWER BANK"
Touren, Ausstellung, Web-Repositorium

Touren, Ausstellung, Web-Repositorium: The Driving Factor

Samstag, 11. Juni 2022 — Samstag, 27. August 2022

The Driving Factor

Adresse: station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin (Eingang Kastanienboulevard, neben Lebenshilfe e.V.)
Geöffnet:nach Ankündigung*
Sprache(n): 
  • Deutsch
  • Englisch

Eintritt: frei
Veranstalter_in: neue Gesellschaft für bildende Kunst
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The Driving Factor

Touren, Ausstellung, Web-Repositorium

Teilnehmer_innen: Ana Alenso, Cristóbal Bonelli (University of Amsterdam, Principal investigator ERC Worlds of Lithium), Inge Broska, Helmuth Albrecht (TU Bergakademie Freiberg), Aurora Castillo, Oscar Choque (Ayni, Verein für Ressourcengerechtigkeit e.V.), Constanze Fischbeck, Michelle Geraerts (Worlds of Lithium ERC, University of Amsterdam), Eva Hertzsch & Adam Page mit Mozart Schule Berlin und Victor-Klemperer-Kolleg Berlin, Sonja Hornung, Manu Hoyer (Bürgerinitiative Grünheide, tbc), knowbotiq (Yvonne Wilhelm, Christian Huebler), Susan Newman (The Open University), Jan Müggenburg (Leuphana Universität Lüneburg), Canay Özden-Schilling (National University of Singapore), Heidemarie Schröder (Wassertafel Berlin Brandenburg), Susanne Reumschüssel (Industriesalon Schöneweide), Andrea Riedel (Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg), Leni Roller, Thomas Turnbull (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte), Jens Weber (Grüne Liga Osterzgebirge e.V.), Jack Wolf

 

Woher rührt die Macht der „Speicherbarkeit“ von Energie? Am Anfang des Projekts The Driving Factor stand die Verwunderung über die widersprüchlichen Reaktionen von Politik und Zivilgesellschaft auf den Bau der Tesla-Gigafactory in Grünheide, Brandenburg. Auf lokaler und nationaler Ebene feierte die Politik eine zukunftsweisende, angeblich umweltfreundliche Technologie und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Indessen wurden unzählige Einwendungen zu den Folgen für die bereits angeschlagenen Grundwasserreserven und zur Rodung des Waldes weitgehend ignoriert oder gar verhindert. Kritik an künftigen Auswirkungen der Produktion, Sorgen um Arbeitsbedingungen und Umweltschäden entlang der transnationalen Produktionswege galten ohnehin als nicht verfahrensrelevant. Waren die Versprechen von „grüner“ Mobilität, ähnlich denen der „Energiewende“, nicht auch hier, wie an vielen anderen Orten, Anlass einer tiefgreifenden Gefährdung von Ökosystemen und der Unterwanderung zivilgesellschaftlicher Rechte?

Beiden Versprechen—dem der Elektromobilität und dem der „Energiewende“—zugrunde liegt ein Objekt: Die Batterie. The Driving Factor nimmt die Lithiumbatterie als Speichertechnologie „grüner“ Energie zum Ausgangspunkt für multidisziplinäre, künstlerische Untersuchungen. Das Projekt hinterfragt das Narrativ des schadlosen Speicherblocks für alle und überall, ob in Mobiltelefonen, Autos oder zur Stabilisierung der Stromnetze. Aus lokalen Zusammenhängen heraus versucht es, Verbindungen zur globalen Lithium-Lieferkette herzustellen und dabei intransparente und meist umweltschädigende Praktiken der Rohstoffförderung, sowie Mechanismen der Aneignung von Natur- und menschlicher Arbeit als Fortsetzung imperialistischer und kolonialistischer Logiken aufzuzeigen, die sich auch in Deutschland nachverfolgen lassen.

Die drei experimentellen Touren von The Driving Factor führen durch soziale und geographische Landschaften der Extraktion und Akkumulation in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Jede Tour, als räumliche wie auch als gedankliche Bewegung konzipiert, macht Zyklen der Auf- und Abwertung von Rohstoffen und Landschaften nachvollziehbar, die in Zusammenhang mit der „Energiewende“ stehen: die Reaktivierung der Vision von Elektromobilität in Berlin-Oberschöneweide und Grünheide; die Wiederaufnahme des Bergbaus im sächsischen Erzgebirge nach dem Fund von Lithiumvorkommen; und die Produktion bzw. Neu-Verwertung von Landschaften nach dem Ausstieg aus dem Kohleabbau in der Lausitz.

Das Projekt versammelt Katalysator_innen—Künstler_innen, Kulturschaffende, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen—deren Praxis die Chancen, Risiken und Widersprüche der Produktion, Speicherung und Verteilung von Energie behandelt. Indem die unterschiedlichen Formen des Engagements von Besucher_innen, geladenen und zugeschalteten Gästen miteinander in Dialog treten, werden gewohnte Blickwinkel und  Narrative über „Zentren“ und „Peripherien“—als Orte des Energiebedarfs und Orte der Produktion von Energie—verkompliziert. Dadurch, dass wir uns gemeinsam durch konkrete Orte und Landschaften bewegen, wollen wir vor allem ein Sprechen, Denken und Wahrnehmen von Themenkomplexen üben, die allzu oft als fachspezifisch und abstrakt oder selten in größeren Zusammenhängen dargestellt werden.

Die künstlerischen, wissenschaftlichen und aktivistischen Beiträge, die im Rahmen von The Driving Factor aufgerufen werden, befassen sich mit intersektionalen Ungerechtigkeiten, die im Kontext mit der Batterieproduktion stehen: Kontaminationen von Ökosystemen, Vertreibungen von Menschen, Tierarten und Pflanzen. Dabei hilft der Fokus auf die Lithiumbatterie, die historische Kontinuität von kapitalistischer Akkumulation in der heute fortschreitenden Finanzialisierung von Land, Natur und Arbeit, oder auch in den Spekulationen im Feld der „Green Economy“ nachvollziehbar zu machen. Batterien sollten das mit erneuerbaren Energien betriebene Stromnetz stabilisieren und damit den Übergang hin zur emissionsfreien und ressourcenschonenden Energienutzung beitragen, die sich viele vom europäischen „Green Deal“ versprachen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine zeigen die Debatten um „Energiesicherheit“, dass dieses Versprechen vor allem das Versprechen eines linearen Wachstums- und Investitionsmodells war, das privates Kapital sichern sollte.

Die station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf wird für die Dauer des Projekts zu einem „Speicher“, in dem neue und bestehende künstlerische Arbeiten, Recherchematerialien, Podcasts der Arbeitsgruppe, sowie Eindrücke der Touren nach und nach eingelagert und in variierenden Zusammenhängen vorgestellt werden. Den Speichervorgang beschleunigt das Forum POWER BANK, das Beitragende und Teilnehmer_innen des Projekts zusammenbringt, um alternative Handlungsräume zu diskutieren. Dass ein Bruch mit den bisherigen Macht- und Besitzverhältnissen im Kontext der Produktion, Verteilung und Akkumulation von Energie notwendig ist, scheint festzustehen; wie die Zivilgesellschaft und translokale Gruppierungen dazu beitragen können, ist eine offene Frage.

Als digitaler, wachsender Speicher sammelt die Webseite thedrivingfactor.net Stimmen, Materialien und Themen des Projekts für ein breiteres Publikum. Hier werden im Nachgang der Touren deren künstlerische Dokumentation veröffentlicht und weitere Querverweise langfristig zugänglich gemacht.


nGbK-Projektgruppe: Elisa T. Bertuzzo, Jan Lemitz, Daniele Tognozzi, Mercedes Villalba, Neli Wagner

Publikation

  
ISBN:

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Tour: Tour: The Money Tree (Berlin)
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25Samstag, 25 Juni 2022Samstag, 25. Juni 2022
Tour: Tour: Am Ende Landschaft (Lausitz)
2Samstag, 02 Juli 2022Samstag, 02. Juli 2022, 14:00 Uhr
Panel: Panel: Forum "POWER BANK"